MeshRadio – Wenn Funkamateure ihr eigenes LoRa-Mesh bauen

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Ein neues Buch zeigt, wie aus günstiger Hardware und selbst entwickeltem Code ein stabiles, amateurfunkkonformes Mesh-Netzwerk entsteht – Schritt für Schritt, von der ersten Frame-Struktur bis zum Feldtest.


Packet Radio war revolutionär. Wer die Ära von 1200-Baud-AFSK auf 2 m, TNC und AX.25-Digipeatern noch kennt, weiß aber auch: Technisch gesehen war das schon damals eng. Hoher Energiebedarf, relativ kurze Reichweiten, Empfindlichkeit gegenüber Störungen – Grenzen, die sich mit herkömmlicher Technik kaum überwinden ließen.

LoRa verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz. Statt hoher Datenrate setzt es auf extreme Empfangsempfindlichkeit. Während Packet Radio typischerweise mit −120 dBm arbeitet, erreicht LoRa je nach Spread Factor Werte von unter −135 dBm. Dieser Unterschied macht sich im Feld sofort bemerkbar – und genau hier setzt das neue Buch „MeshRadio – Embedded LoRa Mesh Engineering“ von Friedrich Riedhammer (DJ2RF) an.

Kein Installations-Handbuch – ein Entwicklerbuch

Das ist der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Veröffentlichungen rund um LoRa und Meshtastic: Dieses Buch erklärt nicht, wie man eine fertige Firmware flasht oder ein bestehendes System konfiguriert. Es zeigt, wie man ein eigenes Mesh-Funk-System entwickelt.

Von den ersten Frames über Routing, ACK/Retry und Security bis hin zur stabilen Funkarchitektur entsteht auf 188 Seiten ein vollständiges System – nicht als Blackbox, sondern als nachvollziehbare Entwicklung. Jede Designentscheidung wird erklärt, Architekturfallen werden sichtbar gemacht, und der rote Faden bleibt dabei stets klar: Funkpfad zuerst. Stabilität vor Features.

Hardware, die jeder beschaffen kann

Als Entwicklungsplattform setzt Riedhammer bewusst auf günstige, frei verfügbare Boards:

  • DollaTek LoRa32 V2.1 mit ESP32, SX1276-Transceiver und 0,96″-OLED-Display dient als Basis-Node und Debugging-Plattform.
  • TTGO T-Beam V1.1 mit integriertem GPS (NEO-6M) und 18650-Akkuhalter übernimmt die Rolle des mobilen Knotens für Feldtests und Reichweitenmessungen.
  • Als moderne Ergänzung wird auch das Heltec WiFi LoRa 32 V3.2 mit dem neueren SX1262-Chip behandelt.

Alle Boards arbeiten im 433-MHz-Band – eine bewusste Wahl für den Amateurfunk: Kein Duty-Cycle-Limit wie im ISM-Band, höhere zulässige Sendeleistungen, bessere Ausbreitung gegenüber 868 MHz und volle Experimentierfreiheit im Amateurfunkdienst.

Was im Buch entsteht

Das Buch führt den Leser konsequent von einfachen Konzepten bis hin zu professionellen Mesh-Architekturen. Die wichtigsten Stationen:

Protokoll-Grundlagen: Eigenes Frame-Format, Rufzeichen-Kennzeichnung (amateurfunkkonform, keine Verschlüsselung), SPI-Initialisierung des SX1276, erste Punkt-zu-Punkt-Verbindung.

Mesh-Grundfunktionen: Flooding, Neighbor Discovery, RSSI-basiertes Routing, ACK/Retry-Mechanismen, OLED-Statusanzeige mit Nachbarn und Signalstärke, UART-Chat über das Mesh.

Fortgeschrittene Architekturen: Smart Forwarding (nur gute Links werden weitergeleitet), Store-and-Forward für gepufferte Nachrichtenzustellung, Route Aging, Sequence Numbers zur Loop-Verhinderung, Beacon-basiertes Router Discovery.

Professionelle Features: Qualitätsbasiertes Routing (RSSI-Aware Routing mit Hysterese), NVS-Persistenz für Konfiguration und Node-IDs, Web-Interface zur Konfiguration per Browser, Token-Bucket-Rate-Limiting, ACK-Sturm-Vermeidung, Hold-Down-Timer.

Feldtauglichkeit: GPS-gestützte Positionspakete, mobile Mesh-Knoten mit Akkubetrieb, Airtime-Berechnung und Optimierung, reale Reichweitenmessungen.

Warum das für Funkamateure interessant ist

LoRa passt technisch hervorragend in den Amateurfunkdienst. Geringe Sendeleistung, hohe Reichweite, robuste Chirp-Spread-Spectrum-Modulation, flexible Parameter – das entspricht genau dem, wofür Amateurfunk steht: technische Weiterbildung, Entwicklung neuer Verfahren, Erprobung digitaler Übertragungstechniken.

Gleichzeitig macht das Buch deutlich, wo viele LoRa-Projekte scheitern: nicht am Funkmodul, sondern an der Architektur. Wer ein stabiles Mesh betreiben will – sei es für Notfunk, portable Veranstaltungen, Linkstrecken oder einfach als technisches Experimentierprojekt –, muss verstehen, warum ein deterministischer Aufbau entscheidend ist. Genau dieses Verständnis vermittelt das Buch.

Für wen es geeignet ist

Das Buch richtet sich an Funkamateure, die tiefer verstehen wollen, wie Mesh-Systeme intern funktionieren – aber auch an Entwickler und Maker, die eigene Funkprojekte realisieren möchten. Perfekte Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt, aber die Bereitschaft, Dinge wirklich durchdringen zu wollen.

Entwicklungsumgebung ist ESP-IDF mit Visual Studio Code. Wer bereits mit Arduino oder PlatformIO gearbeitet hat, findet schnell den Einstieg; die Unterschiede und typische Anfängerfehler (fehlende Antenne, falsche Spread-Factor-Werte, inkonsistente Bandbreite) werden explizit behandelt.

Fazit

„MeshRadio – Embedded LoRa Mesh Engineering“ ist kein weiteres „Plug and Play“-Handbuch. Es ist ein solider Entwicklungsweg für alle, die nicht nur ein Mesh benutzen, sondern verstehen wollen, warum es stabil ist. Für die Amateurfunk-Community, die schon immer Technik nicht nur bedient, sondern durchdrungen hat, ist das der richtige Ansatz.

Das Buch erscheint 2026 in der 1. Auflage beim Nerd Verlag (Schrobenhausen). Autor Friedrich Riedhammer ist unter dem Rufzeichen DJ2RF aktiv und steht für Fragen und Projekte im Bereich LoRa-Mesh und Embedded-Funksysteme zur Verfügung.


Titelbild: DollaTek LoRa32 V2.1 und TTGO T-Beam – die Hardware-Basis für MeshRadio (Bildrechte beim Autor)

Quelle: Friedrich Riedhammer (DJ2RF): „MeshRadio – Embedded LoRa Mesh Engineering“, 1. Auflage 2026, Nerd Verlag

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Veröffentlicht in Allgemein, selber bauen.

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